Gäste aus aller Welt

"Bekommen wir wirklich Besuch aus sechs Ländern?" Die Schüler und Schülerinnen der 6. Klasse des Bertha-von-Suttner Gymnasiums in Andernach fragen noch einmal nach. " Ja, und ich weiß auch noch, woher sie kommen", meldet sich Amal und beginnt aufzuzählen: " Aus Bulgarien, Ägypten, Rumänien, Uganda und Venezuela… aber jetzt fehlt noch eins." "Aus Afrika", ertönt ein Zwischenruf. "Genau", bestätigt die Englischlehrerin Frau Bals und mit dem Blick auf die Weltkarte verweist sie auf die vielen Länder auf dem Kontinent. Nachdem Uganda gesichtet wurde, findet die Klasse auch den Senegal, das sechste Herkunftsland der Gäste. So steigt die Vorfreude täglich und bald flattern schon bunte Willkommenswimpel im Foyer der Schule.

Die Gäste sind Preisträger des Pädagogischen Austauschdienstes. Jedes Jahr werden 450 SchülerInnen aus rund 90 Ländern ausgewählt. Alle jungen Erwachsenen lernen Deutsch in ihrem Heimatland und aufgrund ihrer besonderen Leistungen, werden sie für vier Wochen nach Deutschland eingeladen. In dieser Zeit besuchen sie nicht nur Bonn, Berlin und München, sondern leben auch für zwei Wochen in einer Gastfamilie und lernen den deutschen Schulalltag kennen. Seit vielen Jahren ist das Bertha-von-Suttner Gymnasium Partnerschule und begrüßt jährlich neue Gäste. "Es ist wirklich ein tolles Programm, was die Kultusministerkonferenz da 1952 ins Leben gerufen hat", schwärmt auch der verantwortliche Lehrer Herr Naumann, der mit seinem Kollegen Herrn Dr. Fischer das Programm für die Gäste in Andernach zusammengestellt hat und nun betreut.

Denn auch während ihrer zwei Wochen in Andernach erwartet die Stipendiaten ein umfangreiches Programm. Neben dem Schulbesuch gibt es Exkursionen zur Marksburg, nach Koblenz und Trier und speziellen Fachunterricht, um die Deutschkenntnisse und interkulturelle Fähigkeiten zu verbessern. Auch die Begrüßung durch den Oberbürgermeister, wie ein Ausflug zum Geysir dürfen nicht fehlen. Ein Höhepunkt für die Klasse 6b ist jedoch der Vormittag, an dem die Klasse Gelegenheit hat, die Gäste persönlich kennenzulernen. Im Englischunterricht haben die Jugendlichen Fragen vorbereitet und nun gilt es, in Kleingruppen, Interviews zu führen, um mehr über die internationale Gruppe zu erfahren.

Und für alle ist auch diese Begegnung bereichernd. "Das war so schön", strahlt Calvin anschließend. "Alle meine Fragen haben sie verstanden und wenn ich nicht mehr weiter wusste, haben wir auf Deutsch gesprochen. Es ist schon toll, wie gut sie Deutsch können." Die Fremdsprachenkenntnisse der Gäste sind beeindruckend. "Manche können sechs Sprachen", staunt Mia. "Ja und ich habe erfahren, dass Martin gerne Fußball spielt und sein Lieblingsfach Chemie ist. Er möchte später einmal Arzt werden, weil seine Tante ein krankes Bein hat und es in Uganda nicht so viele Krankenhäuser gibt", erzählt Fine. "Und Viktor macht gerne Sport. Sein Lieblingsessen ist Pizza", ergänzt Leon. Nach den zwei Stunden überraschen die Sechstklässler die Gruppe noch mit einem Lied auf drei Sprachen. In kürzester Zeit singen alle mit.

Als die Gruppe nach München weiterfährt, gibt es nur einen Schüler am Bertha-von-Suttner Gymnasium, der sich darüber freut. Nick Hellinger (17) hat sich im Vorfeld für den Pädagogischen Austauschdienst beworben und darf nun als begleitender Schüler, die ganzen vier Wochen mit den Stipendiaten verbringen. Er ist Ansprechpartner für alle Belange und es ist offensichtlich, dass ihn alle Gruppenmitglieder ins Herz geschlossen haben. "Das ist eine der interessantesten Erfahrungen meines Lebens", strahlt er."Wir sind so schnell zusammen gewachsen und können uns gar nicht vorstellen, dass wir uns bald nicht mehr jeden Tag sehen werden. Eigentlich ist es ja unglaublich, weil ich vor wenigen Wochen noch keinen von diesen Menschen kannte und jetzt planen wir schon, wann wir uns wo wiedersehen können, damit wir uns nicht aus den Augen verlieren."